Was ist Ablehnung im beruflichen Kontext?
Es geht um die Furcht vor Ausgrenzung im Kollegenkreis, vor dem Ausschluss von interessanten oder prestigeträchtigen Aufgaben und - als schlimmste Variante - vor der Zurückweisung durch den Chef bei der Bitte um mehr Gehalt oder eine höhere Position.
Wenn diese Angst Sie einmal gepackt hat, wird jeder Tag im Beruf zum Gang durchs Minenfeld sozialer Interaktionen. Das erzeugt enormen Stress, der sich auf die Gesundheit auswirkt. Schlimmer noch: Gerade diese Angst führt schnell zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Einem sichtbar ängstlichen Mitarbeiter traut man keine großen Aufgaben mehr zu - und manchmal hat das einen realen Anlass, weil die Angst tatsächlich schon den einen oder anderen Fehler verursacht hat.
Warum löst Ablehnung so starke Ängste aus?
Zwei Gründe wirken hier zusammen:
Handfeste Nachteile
Im harmloseren Fall bleiben Sie auf Ihrer aktuellen Karriere- und Gehaltsstufe stehen. Im schlimmsten Fall verlieren Sie den Job. Beides sind reale Risiken - die Furcht hat einen rationalen Kern.
Ein Urinstinkt, der überschießt
Angst ist ein lebensrettender Mechanismus aller höheren Lebewesen. In Industriegesellschaften überschießt er häufig: Unsere Biologie ist immer noch auf existenzielle Gefahren ausgerichtet, denen wir im Alltag praktisch nie begegnen. Selbst der Verlust des Jobs bedeutet heute weder Verhungern noch Obdachlosigkeit. Die Angst redet Ihnen aber genau diese Szenarien ein - vergleichbar mit Hypochondern, die hinter jedem kleinen Wehwehchen eine tödliche Krankheit vermuten.
Auswirkungen auf Körper und Psyche
Körperliche Anzeichen von Angst verstärken sich, wenn Sie das Gefühl mit Gewalt verdrängen. Der Körper „weiß“ seit Urzeiten, dass Angst wichtig sein kann, und reagiert: Schwitzen, Zittern, erhöhter Puls, gesteigertes Schmerz- und Kälteempfinden, Druck in der Brust, Schwindel, manchmal Atemnot bis zum Hyperventilieren oder gar eine Panikattacke.
Mittelfristig leidet die Verdauung, der Schlaf wird schlecht, im Extremfall kommt es zu Substanzkonsum - typischerweise Alkohol. Spätestens wenn es so weit kommt, ist das Problem gewachsen. Setzen Sie deutlich früher an.
Wie kann ich der Angst entgegenwirken?
Der erste Schritt: die Angst überhaupt bewusst wahrnehmen. Das ist schwerer, als es klingt - oft entsteht Angst vor Ablehnung scheinbar plötzlich nach Jahren der Routine. Typische Auslöser sind:
Ein neuer Chef oder ein neuer Kollege - selbst eine einzelne neue Person im Team kann reichen.
Ein unerwartetes Scheitern bei einer Aufgabe, das die Furcht vor künftiger Ablehnung sät.
Ein Arbeitsunfall - im Team oder bei Ihnen selbst -, der zu einer generalisierten Angst werden kann.
Gesundheitliche Probleme, die Ihre Leistungsfähigkeit mindern und damit die Angst nähren.
Private Belastungen, die als Hintergrundstress auch ins Berufliche einsickern.
Wenn Sie die Ursache erkannt haben, rationalisieren Sie die Angst. Welche Anteile sind begründet, welche nicht? Echten Gefahren weichen Sie aus oder beheben Sie aktiv. Eingebildete Gefahren überwinden Sie mental - dabei helfen die folgenden Tipps.
7 Tipps gegen die Angst vor Ablehnung
1. Meiden Sie nicht krampfhaft die Auslöser unbegründeter Ängste
Vermeidung verstärkt die Angst. Reden Sie mit dem neuen Kollegen, der Sie verunsichert - wahrscheinlich ist er ein umgänglicher Mensch, mit dem Sie zumindest gut auskommen können.
2. Beheben Sie echte Gefahren
Wenn etwas tatsächlich nicht funktioniert - sei es ein technisches Risiko, eine fachliche Lücke oder ein sozialer Konflikt -, gehen Sie es konkret an, statt es zu verdrängen. Beheben statt fürchten.
3. Setzen Sie sich mit der Psychologie der Angst auseinander
Angst vergrößert die Gefahr in unserer Wahrnehmung. Wenn Sie diesen Mechanismus kennen, können Sie ihn benennen - und sich daran erinnern, dass Ihr Gefühl gerade größer ist als die Realität.
4. Fragen Sie sich, ob das Szenario wirklich wahrscheinlich ist
Schreiben Sie konkret auf, was Sie befürchten, und schätzen Sie die Eintrittswahrscheinlichkeit ehrlich. Die meisten Katastrophenszenarien überleben diesen Realitätscheck nicht.
5. Führen Sie sich die realistischen Folgen vor Augen
Selbst der schlimmste Fall ist meist weniger dramatisch als befürchtet. Beispiel: „Wenn meine Firma mich entlässt, bin ich vielleicht ein bis drei Monate auf Stellensuche - länger auf keinen Fall.“
6. Stärken Sie Ihre positive Selbstwahrnehmung
Listen Sie gedanklich oder schriftlich Ihre Stärken auf. Vergessen Sie die Schwächen nicht - arbeiten Sie aber bewusst an deren Überwindung, statt sie zu fürchten.
7. Holen Sie sich in unsicheren Situationen Rat
Sie müssen das nicht allein durchziehen. Ein vertrauter Kollege, eine Mentorin oder im hartnäckigen Fall eine therapeutische Begleitung sind keine Schwäche, sondern ein Beschleuniger.
Fazit
Angst vor Ablehnung im Beruf ist verbreitet, aber kein Schicksal. Erkennen Sie sie an, prüfen Sie nüchtern, was tatsächlich dahintersteckt, und arbeiten Sie Schritt für Schritt an den real lösbaren Anteilen. Je weniger Macht die Angst hat, desto souveräner agieren Sie - und desto seltener wird die selbsterfüllende Prophezeiung Wirklichkeit.
Quellen: karrierebibel.de/zurueckweisung, karrierebibel.de/angst-im-job